Archiv der Kategorie 'Miete'

Fusion von Deutsche Wohnen und Vonovia

Wer zahlt den Mega-Deal?
Christian Sprenger in UZ vom 4. Juni 2021

Gut einen Monat nach dem Scheitern des „Berliner Mietendeckels“ wurde die „Megafusion“ bekannt, die den größten deutschen Wohnungshändlern Kostenoptimierungen sowie mehr marktpolitisches Gewicht einbringen soll. Für 18 Milliarden Euro, die der Vonovia-Konzern für die erforderliche Aktienmehrheit zahlen muss, entsteht ein Gigant mit über 570.000 Wohnungen, davon knapp 160.000 in Berlin. Christian Lindner von der FDP sieht die Fusion offenbar deshalb als Resultat der Berliner Wohnungspolitik: „Wer von reguliertem Wohnungsmarkt, staatlichen Mietpreisen und Enteignungen träumt, fördert die Konzentration auf dem Wohnungsmarkt.“ Ähnlich Rouzbeh Taheri, Sprecher der Berliner Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen!“, die in den Endspurt geht, um bis zum 25. Juni die nötigen 175.000 Unterschriften für ihren unverbindlichen Gesetzentwurf zusammen zu bekommen: Mit der Fusion habe man „einen Dax-Konzern in die Knie gezwungen“. (mehr…)

Koloniestraße 10: Blind oder einfach gefällig?

Bei dem Versuch in der Weddinger Koloniestraße 10 Häuser abzureißen, gibt es eine brisante Entwicklung. Der NABU-Berlin-Vorsitzende Rainer Altenkamp gibt dem Investor Uhlmann in Sachen schützenswerte Vogelarten recht. Der Nabu-Chef, zuständig für Greifvögel, will nichts Schutzbedürftiges bei seinen Ausflügen vor Ort gesehen haben, was nicht nur die Mieter und die Untere Naturschutzbehörde bereits dokumentiert haben.

„Kisch & Co“ outet Miethai

Ganz frech wollte „Victoria Immo Properties“ ein lobhudelndes Youtube-Video vom Buchladen Kisch & Co in der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg. Stattdessen gingen Kisch & Co in die Offensive.
Wera Richter über das Outing eines Miethais in die UZ

Volle Breitseite – Protest gegen Verdrängung eines Buchladens in Berlin Kreuzberg

Im Berliner Großstadtdschungel gibt es Geschichten, die möchte man nicht glauben. Die Neueste dreht sich um die versuchte Vertreibung des Buchladens „Kisch & Co“ von der Kreuzberger Oranienstraße. Sie zeigt aber auch, dass die Immo-Welt Angst vor Widerstand und Solidarität hat.

Anders lässt sich die Dummheit nicht erklären: „Victoria Immo Properties“ mit Sitz in Luxemburg, Besitzerin des Hauses Oranienstraße 25 seit 2019, bot die Verlängerung des Mietvertrages bis Dezember dieses Jahres an – unter der Bedingung, dass die Buchhändler ein Youtube-Video in die Welt setzen, in dem sie das Entgegenkommen des Miethais und die Zusammenarbeit mit ihm loben. Briefe diesen Inhalts sollten zudem an Kommunalpolitiker von SPD, Grünen und Linken gehen, die sich für den Erhalt von „Kisch & Co“ einsetzen. Adressaten sollten auch zwei Journalisten der „Berliner Zeitung“ und des RBB sein, die kritisch über die Machenschaften der Immo-AG berichtet hatten. Der Inhalt der Lobhudelei sollte, das wundert nun nicht mehr, mit „Victoria Immo Properties“ abgestimmt und über den Vorgang sollte Stillschweigen bewahrt werden. Die „Berliner Zeitung“ berichtete, dass in der Vertragsklausel auch „Vertraulichkeit über die Person des Vermieters und seiner Gesellschafter“ vereinbart werden sollte – über das Ende des Mietverhältnisses hinaus. (mehr…)

Wohnungen und Ateliers sollen im Wedding plattgemacht werden

UPDATE: Zeitgewinn bis zum 30. September 2020 und Online-Petition unterstützen

In der Weddinger Koloniestraße 10 sollen ab heute im Remisenhof weitere Wohnungen und Künstlerateliers zugunsten von „Mikroapartments für Studenten“ für „läppische“ 495 Euro à 19m² vernichtet werden. Was interessieren schon Wohnungsnot oder Künstler_innen? Immobilienhai Romeo Uhlmann ist da nur ein abstoßendes Beispiel der herrschenden Kapitalbesitzer. Enteignungen bleiben ein probates Mittel.

Zu Gewinnen der Immobilienhaie trotz Corona

In der vergangenen Woche haben CDU und FDP vor dem Bundesverfassungsgericht Klage gegen den Berliner Mietendeckel eingereicht. Das juckt, dem Vernehmen nach, die Chefetagen des Immobilienkonzerns Vonovia kaum. Der boomt unabhängig davon, auch in Corona-Zeiten.

Alle Mieten deckeln

von
Christian Sprenger in UZ vom 15. Mai 2020 | Kommentar

Ein Quadratmeter Wohnraum kostet im Schnitt 6,94 Euro Monatsmiete. Von Januar bis März 2020 kassierte Vonovia 564 Millionen Euro an Mieteinnahmen. Das sind 5,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, Pandemie hin oder her. Gewinne für Immobilienunternehmen stammen immer aus den Taschen der Mieter. Welch Glück für den Vorstandsvorsitzenden Rolf Buch: „Grundsätzlich wird es auch nach der Corona-Krise eine Nachfrage nach Wohnraum in den Städten geben“, weiß der Manager. „Unser Vonovia-Bestand, das sind bezahlbare Mietwohnungen. Dieses Segment wird immer gebraucht.“ („Manager-Magazin“, 9. Mai) Das hindert ihn nicht, die Mieten weiter zu erhöhen. Ohnehin ist das Unternehmen bekannt dafür, die Substanz seiner Bestände zu vernachlässigen, Mieter zu schikanieren oder Modernisierungen auf Kosten der Mieter durchzudrücken. In den Hütten, die ehemals günstig waren, dies jedoch in naher Zukunft nicht mehr sein werden, wohnt die Arbeiterklasse. (mehr…)

Veranstaltung regt kommunalen Wohnungsbau an – Jenseits der Marktlogik

Christian Sprenger berichtet in der UZ von einer Veranstaltung über Berliner Mieten

Am 19. Februar organisierte die Berliner Sektion der Sammlungsbewegung „aufstehen“ eine Podiumsveranstaltung, unterstützt von der Berliner MieterGemeinschaft (BMG e. V.): „Wiener Wohnen – Modell für Berlin?“ Michael Prütz (Kampagne „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“) und Andrej Holm (HU Berlin) sprechen häufig auf mietenpolitischen Veranstaltungen. Diesmal aber ging es auch um den möglichen Neubau bezahlbarer Wohnungen. Die fünf „Mietendeckel“-Jahre zum Start eines kommunalen Wohnungsbauprogramms nutzen würde wohl auch Karin Zauner-Lohmeyer, die beruflich für den Gemeindebau der Stadt Wien tätig ist und eingangs die Situation in der österreichischen Hauptstadt darstellte, wohnungspolitisch „der Polarstern in der EU“. (mehr…)

Zwangsräumung von Daniel verhindern! Neuer Termin: 26.02. um 6 Uhr

Zwangsräumung von Daniel verhindern!
Mittwoch, 26. 02. 2020, 6.00 Uhr
Transvaalstraße 20, 13351 Berlin-Wedding

Seit über 36 Jahren, ein halbes Leben, nennt Daniel schon die Wohnung in der Transvaalstraße sein Zuhause. Mitten im Winter, soll nun die Räumung vollzogen werden. Seit vielen Monaten kämpfen wir gemeinsam um sein Zuhause. Doch dem Eigentümer Zunker ist die Rendite wichtiger. Alle Informationen.

Bauen, deckeln, kaufen?

Der UZ-Aufmacher von Christian Sprenger, der den Berliner Mietendeckel im Interesse der Mieter ansieht, aber das Wohnungsproblem nicht löst.

Am 22. Oktober wurde der Entwurf zum Berliner Mietendeckel beschlossen. Bis zu 1,5 Millionen Haushalte könnten davon profitieren, auch wenn er das derzeit sehr hohe Mietenniveau nur einfriert. Mietpreissenkungen sollen frühestens 2020, nur bei „Wuchermieten“ (mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete) und nach Antrag beim Bezirk möglich sein, kommen also möglicherweise für Zahnarzt-Ehepaare in Frage, nicht jedoch für Normalmieter. Die Mietrechtsreform ist dennoch im Sinne der Mieter, weil so die Aufwärtsspirale bei den Berliner Mietpreisen zumindest in den kommenden fünf Jahre gebremst werden könnte. Aber sie steht unter dem Dauerfeuer der Privatwirtschaft und ihrer politischen Vertreter. Wirklich sicher ist noch nichts, zumal das Abgeordnetenhaus erst Ende Februar darüber abstimmen soll. (mehr…)

Zwangsräumung am 16.10. im Wedding verhindern

Die Wohnung von Daniel soll am 16. Oktober geräumt werden. Deshalb rufen Hände Weg vom Wedding und weitere zu Aktionen dagegen auf.
MIttwoch, 16.10.2109, 6 Uhr Transvaalstraße 20 Berlin-Wedding.

Kundgebung gegen „Haus und Grund“ in Neukölln

Am Mittwoch, den 25.09. findet ab 18 Uhr eine Kundgebung gegen die Mitgliederversammlung von Haus und Grund statt.
Treffpunkt ist das Hotel Mecure, Hermannstraße 214-216 (U8 Boddinstraße). Aufrufer sind Hände weg vom Wedding und Tu Mal Wat.

Kleiner Deckel für großen Topf

Christian Sprenger in UZ vom 06.09.2019

Der Berliner Mietendeckel, dessen Eckpunkte am 18. Juni vom Berliner Senat beschlossen worden waren (UZ vom 21. Juni), ist seit einer guten Woche wieder heißes Thema. Diesmal geht es um seine genaue Ausgestaltung. Auslöser war ein angeblich „durchgerutschtes“ Arbeitspapier der Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Partei „Die Linke“) mit sehr mieterfreundlichen Positionen: feste Mieten-Obergrenze für alle Wohnungen bis Baujahr 2013 je nach Ausstattung und Baujahr von 3,42 Euro bis maximal knapp 8 Euro pro Quadratmeter kalt, Eigenbedarf-Kündigungen nur noch nach Genehmigung des Bezirks, Möglichkeit der nachträglichen Mietenabsenkung für alle Mieter, die bisher zu viel zahlten.
Die Immobilienindustrie und ihre Funktionseliten zeterten mal wieder: Haus&Grund sah das Ende der privaten Wohnraumvermietung aufziehen, FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja nannte den Mietendeckel „zutiefst unsozial“, sieht gar eine „Enteignung“ der Vermieter. Auch Vertreter der Senatskoalition von SPD und Grünen rückten schnell von Lompschers Papier ab: Rechtlich sei das nicht haltbar, auch „faire und soziale Vermieter“ würden bestraft, das Ganze sei „zu kompliziert“ und führe „zu zu vielen Härten“.
Trotzdem dominiert der Mietendeckel seitdem die Hauptstadtmedien. Kein Wunder, denn in den letzten zehn Jahren haben sich die Berliner Mieten für Wohnungssuchende verdoppelt. Lag 2008 die durchschnittliche Angebotsmiete noch bei 5,59 Euro, sind es aktuell 11,09 Euro pro Quadratmeter.
Mittlerweile wurde aus dem Papiertiger ein Bettvorleger. Bei einer Pressekonferenz am Freitag letzter Woche stellte Lompscher die wichtigsten Inhalte des tatsächlichen Senatsentwurfs vor und die haben fast gar nichts mehr mit den eingangs erwähnten Vorschlägen gemein. Denn nun sollen jährliche Mieterhöhungen – in Höhe der Inflationsrate – doch erlaubt sein. (mehr…)

Trau‘ niemals einem Immobilienkonzern

Mit dem höchst unmoralischen Angebot vom Deutsche Wohnen-Konzern die explodierten Mieten zu begrenzen, hat der Immobilienkonzern zumindest einen Medien-Coup gelandet. Ansonsten aber unglaubwürdig.

In der druckfrischen Unsere Zeit (UZ) informiert Christian Sprenger über die Taktik von Deutsche Wohnen und dem „Mietendeckel“:

Binnen weniger als 14 Tagen ließ der Berliner Senat erahnen, welche Handlungsmöglichkeiten die Politik besitzt, wenn sie denn will: Der „Berliner Mietendeckel“ wurde am 18. Juni offiziell beschlossen. Im Vergleich zur bisherigen kapitalfreundlichen Wohnungspolitik ein herber Schlag für die Immobilien-Großbesitzer: Die Aktie der Deutsche Wohnen (DW) sank von 42,43 auf gerade mal 32 Punkte (Stand 27. Juni). Den Einbruch konnte bislang auch die neueste Idee der DW-Manager nicht wettmachen: ein eigener „Mietendeckel“!
Ab Juli 2019 gibt der Konzern vor, Mieterhöhungen auf maximal 30 Prozent eines Haushalts-Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete begrenzen zu wollen, was auch bei Neuvermietungen gelten soll. Und: Jede vierte neu zu vermietende Wohnung soll an Mieter mit Anspruch auf eine Sozialwohnung gehen. Das sind zirka 60 Prozent aller Berliner und bedeutet außerdem keine Profit-Einschränkung, weil der Senat ja den fehlenden Mietanteil bezuschusst. 30 Prozent heißt bei Haushalten mit zwei Einkommen in den allermeisten Fällen wohl freie Bahn nach oben. Allenfalls bei Haushalten mit einem Einkommen könnte hier eine Verbesserung drin sein – aber bei Neuvermietungen kann das Unternehmen solche Fälle vermeiden. Und überhaupt böte eine permanente und selbstständige Abfrage der Einkommen aller Mieter durch den Konzern künftig ungeahnte Kontroll- oder Verwertungsmöglichkeiten (Kundendaten). Alles also nur ein schlechter Witz? (mehr…)